Donnerstag, 22. Juli 2010

Sinnkrise

Neulich machte mich mein Chef darauf aufmerksam dass ich mich während der Arbeitszeit zu viel auf nicht bibliothekarischen Seiten bewege. Unkollegial ist das übrigens, für alle die es nicht wissen sollten. Nur dass ich immer das Gefühl habe dass es den Kollegen egal ist.
Auf die Frage warum dies nun so häufig vorkommt, schob ich es wage auf die sommerliche Hitze, gelobte Besserung und damit war die Sache gegessen.

Die eigentliche Antwort wäre gewesen dass ich mich langweile. Ich frage mich heute mal wieder warum ich vier Jahre studiert habe um aus Bibliographien Bestellungen in den Computer zu hacken. Dass kann nun wirklich jeder, da braucht man kein Diplom. Ich hoffe immer auf Pakete, damit ich katalogisieren kann. Auch  nicht aufregend, aber man muss zumindest sein Gehirn benutzen. An Tagen wie heute, wo ich nur bestellen kann, weil nichts anderes zu tun ist, habe ich spätestens nach drei Stunden Arbeit das dringende Bedürfnis laut zu schreien und mit tränenüberströmten Gesicht den ganzen Mist in die Ecke zu werfen um mich dann für den Rest des Tages krank zu melden. Mach ich aber nicht, wäre auch albern.

Ein weiteres Problem, die Stelle die ich hier habe, war vorher nur eine halbe, nun eine ganze. Aber wesentlich mehr Arbeit ist nicht dazu gekommen. Während meine Vorgängerin also mit Arbeit überhäuft war, fehlt sie mir nun. Ich bin ja froh nun in einer Arbeitsgruppe innerhalb unsere Bibliothek zu sein, so kann ich wenigstens dafür ein bißchen was machen.

Ich hatte mir das so nicht vorgestellt als ich mit dem Studium anfing. Katalogisieren fand ich schon immer furchtbar langweilig. Als ich aber dann nach dem Studium 7 Monate arbeitslos war, hätte ich wirklich jeden Job genommen. Daher bin ich nun hier. Bisher hatte ich keine Erfolge im wieder wegkommen.

Das hier erfüllt mich nicht. Ich wollte nicht den ganzen Tag im Büro sitzen. Ich wollte mit Menschen arbeiten. Ihnen bei der Suche helfen, Veranstaltungen machen, Zusammenarbeit mit Schulen oder anderen Organisationen anleiern. Am liebsten darüber dann noch ein paar tolle Artikel in den Fachzeitschriften veröffentlichen.

Ich habe Angst hier für immer festzuhängen. Am liebsten würde ich kündigen und reisen, aber dafür habe ich dann wiederum kein Geld und mein Damoklesschwert Bafög-Rückzahlung schwebt auch noch über mir. (Ich würde mich auch mit kleinen Reisen begnügen - Neuseeland muss wohl noch ein paar Jahre warten.)

Ich versuche jetzt ein paar Fortbildungen an Land zu ziehen, macht sich auch in Bewerbungen ganz gut. Und ich überlege, ein Fernstudium anzufangen.

Trotzdem ändert das alles erst mal nichts und es ändert auch nichts an der schlechten Stellenlage im Bibliothekswesen.

Kommentare:

Juliane hat gesagt…

Mir geht es ähnlich: ich arbeite in einem Archiv. Viel Arbeitszeit - wenig Arbeit. Ich surfe oft stundenlang, kann dem EDV-Chef das aber immer als "notwendige Recherche" verklickern. Hätte ich meine nette Kollegin nicht (fast schon Freundin), würden mich da keine "10 Pferde" halten. Halte durch und Ausschau nach was anderem! Viel Glück!

Pappelschnee hat gesagt…

Du weißt wenigstens, dass du das auf Dauer nicht willst...
Also bastel Dir einen Fluchtplan: noch x Monate da arbeiten, dann reicht das Geld für die BaföG-Rückzahlung + x Monate da arbeiten, dann reicht das Geld für die Reise.
Kannst Du Dich nicht nebenher mit der Recherche für Deine Artikel in Fachzeitschriften beschäftigen? Das wäre ja nicht "bibliotheksfremd" und Dir wäre vielleicht nicht so oft nach Sachen-in-die-Ecke pfeffern und Heulen ;)

LG, Manu
p.s. Ich les ab jetzt ganz offiziell mit.